31.12.2021 - Was eine geschlossene Tür mit Leidenschaft zu tun hat        

Vor über 23 Jahren schnuppere ich erstmals Kerosin-Luft in der Fliegerei mit der Anstellung bei der damaligen SAir Group im Bereich Technik. Mein Herz macht gleich am ersten Arbeitstag Freudensprünge, ich habe den Job gefunden, der mich über Jahre begleiten wird. Meine unermessliche Begeisterung für die Aviatik ist sehr beständig, nicht einmal der Untergang der Swissair liess Zweifel aufkommen, dass ich meinen Weg nicht weitergehen werde.
8 Jahre und abertausend Atemzüge mit kerosinangereicherter Luft später ziehe ich einen ersten Strich unter dieses Kapitel. Angespornt durch einen Vortrag von zwei Weltreisenden auf dem Fahrrad entscheide ich mich eher spontan, dies in ähnlicher Art auch umzusetzen. Gesagt, gekündigt und getan. Und nur kurze Zeit später weile ich bereits mit dem Fahrrad in Neuseeland ohne klares Ziel, wie lange meine Radtour werden soll. Ich erlebe Freiheit pur und bereue auch heute nicht eine einzige Sekunde der Reise, vielmehr würde ich es heute bereuen, es nicht getan zu haben.

Mit einem tonnenschweren Rucksack voller unbezahlbarer Erinnerungen und wertvollen Lebenserfahrungen habe ich wieder Schweizer Boden unter den Füssen und wage mich Schritt für Schritt wieder in die Normalität. Bis ich endgültig wieder im heimischen 08-15 Alltag ankomme, gönne ich mir noch eine weitere Auszeit in Südamerika und berufliche Abstecher nach Hongkong.

Erst 2009 ist es soweit, mich wieder für eine Festanstellung zu bewerben. Flugzeuge und Kerosin sind fest im Kopf verankert. So starte ich hocherfreut bei der Swiss und darf unglaublich bereichernde Jahre erleben. Immer wieder erwähne ich, ja zugegebenermassen auch mit einer gewissen Portion Stolz, wie sehr ich meine Funktion schätze und das Schweizerkreuz auf den Flugzeugen eine starke Identifikation mit dem Arbeitgeber mit sich bringt. Noch vor zwei Jahren ist da absolut kein Krümmel eines Gedankens, dass sich an der aktuellen Arbeitssituation auch nur ansatzweise etwas ändern soll. Wieso auch? Ich fühle mich wohl in der Komfortzone, bekomme jeden Monat mein Gehalt und die täglichen Herausforderungen sind überschaubar.

Covid ist der grosse Tritt in meinen Hintern. Dank Kurzarbeit und viel freier Zeit eröffnet sich mit der Ausbildung zum Coach unerwartet und plötzlich eine völlig neue Welt, die mir bislang verborgen blieb. Unbewusst und langsam beginnt sich die Tür Swiss zu schliessen, andererseits öffnet sich die Tür Coach bewusst und zügig und weitere kleine Türen im Hintergrund werden sicht- und greifbar.
Mit dem heutigen 31. Dezember 2021 schliesse ich die langjährige Tür zur Aviatik und trete morgen mit einem grossen, vorfreudigen und vor allem leidenschaftlichen Schritt über die neue Türschwelle der Selbständigkeit. Wie ich heute schon erkenne, ist da sehr viel Freiheit, viel Neues, tolle Herausforderungen, neue Netzwerke, bereichernde Erlebnisse und vor allem eine Zukunft, in der ich meine Herzensangelegenheit und meine Passion mit grosser Freude leben werde.

Heute fühle ich mich wie damals, als ich in Auckland mit dem Fahrrad einfach mal losgefahren bin. Und schon in wenigen Wochen weiss ich, dass ich es definitiv nicht bereut haben werde, diese neue Tür aufzustossen.
Die aktuelle Weichenstellung hat mein persönliches Umfeld überrascht, und ich darf sehr viel tolle Resonanz erfahren. Gleichzeitig schwingen subjektiv wahrgenommen Worte in der Luft, dass viele Menschen ebenfalls gerne neue Türen aufstossen würden. Und wie dies zwischen den Worten erkennbar ist, ertönen blitzschnell auch Argumente, wieso dies eben nicht geht.

Mit diesen letzten Worten für dieses Jahr darfst du dich selber ermuntern, deine aktuelle berufliche Situation einmal in Ruhe und in vollster Ehrlichkeit zu hinterfragen:

  • Übe ich den Job aus, nur um am Ende des Monats den Lohn bezahlt zu bekommen?
  • Übe ich den Job zusätzlich aus, weil der Arbeitsinhalt mich zu 100% erfüllt?
  • Würdest du den Job auch ausüben, wenn du dazu keinen Lohn bekommst?
  • Anfangs 2027, rückblickend auf heute, wirst du es bereuen, nicht doch die Weiche gestellt zu haben?
  • Wenn du ein Buch über dein Arbeitsleben schreiben würdest, wie lautet der Titel des Buches? Und vor allem, würdest du dieses Buch selber kaufen?
  • Erzählst du abends zu Hause eher die tollen oder die weniger schönen Begebenheiten von deinem Arbeitstag?

Mit dieser kleinen Auswahl an Fragen wünsche ich dir gute Antworten, die dich weiterbringen mögen. Zudem wünsche ich die einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Erfolg und Zufriedenheit bei allem, was du aus deinem Leben machst.