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30.04.2021 - Förderband       

Da befinde ich mich also mal wieder in Zürich, am Hauptbahnhof, auf dem Perron unten bei den Gleisen der S-Bahn, soeben aus dem Zug ausgestiegen und auf dem Weg nach oben, froh nach dem Sitzen endlich wieder ein paar Schritte gehen zu können. Zielstrebig navigiere ich der Treppe entgegen, vorbei an wartenden Menschen, die sich nach und nach auf der Rolltreppe aufreihen, quasi sich aufs Förderband begeben. Ja, jeder so, wie er will. Dennoch, in genau solchen Momenten entstehen in meinem Kopf unweigerlich gewisse Fragen. Was treibt die einen Menschen an, die Treppe zu benützen, während andere der Rolltreppe verfallen sind? Wie ich nach Antworten suche, gibt es mir ein schönes Gefühl festzustellen, dass ich praktisch immer das Ende der Treppe schneller erreiche als der Nutzer des Förderbandes, der gleichzeitig mit mir ins Rennen ging.
Nun, welche Antworten entstehen zwischen meinen beiden Ohren? Pro Rolltreppe zieht ganz bestimmt das Argument der Entschleunigung. Nachdem man sich zuvor im Zug gedanklich schon mit dem anstehenden hektischen Arbeitstag auseinandergesetzt hat, ist es durchaus legitim, sich im Flow der allgemeinen Menschenmasse aufs Förderband zu stellen. Oder ist vielleicht der Grossteil der Pendler bereits 30min laufen gegangen, damit man jetzt am Hauptbahnhof mit gutem Gewissen die automatische Treppe benutzen darf? Dies mit einem ja zu beantworten, verursacht unweigerlich Stirnrunzeln. Sicher, es gibt die rationalen Gründe, sich nach oben transportieren zu lassen. Sind körperliche Gebrechen mit im Spiel, schwere Taschen oder was zum Kuckuck auch immer, ja da habe ich vollstes Verständnis. Und welche Worte erschallen dann, sobald besagte Menschengruppe in ihren Grossraumbüros ankommt, ausser Atem, weil der hausinterne Aufzug grad mal defekt ist? An dieser Stelle lasse ich dir und deiner Fantasie freien Lauf, obschon mir einige sehr kreative Selbstbemitleidungsäusserungen in den Sinn kommen.

Lange Beine, kurze Schritte - Lange Rede, kurzer Sinn. Ja, um das Thema Rolltreppe abzurunden, hier meine Meinung. Wir sind geworden ein Volk von faulen und bequemen Individuen. Punkt. Ausrufezeichen! Dem gibt es nichts mehr anzufügen.

Aber es kommt noch besser, respektive schlimmer. Oben angekommen und meinen Blick nun auf die Gegen(roll)treppe werfend, erblickte ich dieselbe Situation. Ja, es gibt sie tatsächlich immer noch, die Befürworter der Rolltreppe auch für dem Weg nach unten.... Steht dieses Bild symbolisch für die Talfahrt der Menschheit?

Treppen wurden gebaut, um sie zu benützen. Wir Menschen sind eine Kreatur, die lebt von Bewegung und nicht, um wie Dosen auf dem Förderband transportiert zu werden.

Ich weiss, mit diesem Beitrag fühlst du dich natürlich nicht angesprochen und denkst wie ich über die anderen, schon klar. Drum lass uns gegenseitig unterstützen und diese Gedanken weiterreichen an all jene, die beim Lesen in den Beinen leichte Zuckungen verspüren. Vielleicht schaffen es du und ich, damit wieder mehr Bewegung unter die Menschheit zu bringen.