24.06.2022 -  Vom Brot über den Toaster zum Feueralarm

Richtig gutes und knuspriges Brot ist in Schottland nicht überall gleich um die Ecke zu finden. Wie so oft in unseren Ferien besteht das Frühstück auch auf den Britischen Inseln unter anderem aus Toastbrot. Und aus einer Eierspeise. Umso überraschter sind wir im Supermarkt in Edinburgh, wo wir ansatzweise frisches Brot finden. Doch nach zwei Tagen ist dieser Brotlaib bereits derart trocken, sodass wir die restlichen Scheiben für unser Frühstück noch kurz, vermeintlich wirklich nur sehr kurz in den Toaster geben. Wir gehen davon aus, dass die Einstellung des Timers am Toaster noch so ist wie am Vortag. Bei einem Nescafé sitzen wir erwartungsfroh und gedankenverloren am Tisch und stellen plötzlich eine starke Rauchentwicklung in unserem Zimmer fest. Umgehend stoppen wir den Toastvorgang, ziehen den Netzstecker und in genau diesem Moment ertönen auch schon schrill und laut die beiden Feuermelder im Zimmer. Das verkohlte Brot kann nicht mehr gerettet werden. Meine Partnerin eilt sogleich zur Rezeption, um den Fall zu melden und gleichzeitig finden sich andere Gäste da ein, teils nervös und teils noch im Pyjama gekleidet. Die nette, etwas rundlich gebaute Dame von der Rezeption befindet sich in diesem Moment in einem anderen Teil des Gebäudes und stürmt ausser Atem in den Eingangsbereich. Meine Partnerin beruhigt sie und so wird der Alarm abgestellt. Um dennoch auf Nummer sicher zu gehen, lässt sich die Rezeptionistin in unserem Studio persönlich vergewissern, dass es nur verkohltes Brot ist, was den Alarm auslöste. Es wird allgemeine Entwarnung gegeben. Während der ganzen Aufregung bleibe ich gelassen im Raum und denke mir nichts weiter dabei. Doch eines unternehme ich - ich öffne die beiden Fenster, um wieder etwas mehr Klarheit in den Raum zu bringen. Mehr Aktionismus ist nicht erforderlich, denn der Alarm bleibt im Haus und geht nicht weiter zur Feuerwehr. Nachdem sich die Situation relativ rasch beruhigt hat, besteht unser Frühstück nur noch aus einem Müesli mit Joghurt.

Diese weitere kleine Episode unserer 12-tägigen Reise durch Schottland reiht sich an mehrere kleine Begebenheiten, die uns im Nachgang stets zum Schmunzeln veranlasst haben. Klar, in der aktuellen Situation sieht es oft anders aus, doch mit einer Portion Ruhe und Gelassenheit lässt es sich definitiv besser leben. Ich will damit auf keinen Fall sagen, dass ein Feueralarm immer ein Fehlalarm zu sein hat. Im Gegenteil, es heisst, die Zeichen einer Gefahr ernst zu nehmen und dennoch nicht zu überreagieren, sondern überlegt und ruhig zu handeln.

Auch wenn es kein Feueralarm ist, so haben auch wir Menschen in uns ein Alarmsystem integriert. Wenn wir mit dem Hammer anstelle des Stahlnagels den Fingernagel treffen, schlägt unser Nervensystem Alarm und meldet einen unerträglichen Schmerz ganz vorne am Daumen. Wir ziehen den Finger zurück, verlieren ein paar fluchende Worte, bevor sich die Fingerbeere langsam aber sicher blau verfärbt. Körperlichen Schmerz erkennen wir rasch und wissen auch, was dann in der Regel zu tun ist.

Doch auch für mentale Feuer ist unser Körper mit einem Sicherheitssystem ausgestattet. Dumm daran ist leider, dass die Rauschschwaben auf dieser Ebene oft nur schwer zu fassen und zu verstehen sind. Demnach fällt es uns einfacher, die komischen Gefühle wegzureden oder wegzublasen anstatt sie nachhaltig zu hinterfragen und zu bearbeiten. Damit sind vielleicht die kurzfristigen Auswirkungen weg, doch die Wurzeln des Rauchs bleiben erhalten, so lange bis sie aktiv angegangen werden (müssen). Unterlassen wir dies auf lange Sicht, so werden wir vielleicht nicht im Rauch ersticken, doch der mentale Gestank an und in uns wird immer stärker. Und so versuchen viele Menschen, die Gründe dieses Stinkens im Aussen und bei anderen Menschen zu finden, als sich mit sich selber auseinanderzusetzen.Wo brennt bei dir zurzeit ein mentales Feuer, welches du gerne gelöscht haben willst?

Welches Thema redest du stets schön, weil du dich schämst, dich damit endlich damit auseinander zu setzen? 

Viele Themen in uns können wir alleine nicht richtig fassen und da setzt das Coaching ein. Ein Blick von aussen hilft, eine andere Perspektive auf ein Thema zu bekommen und in vielen Fällen lässt sich erkennen, dass die Grundursache für das Hauptthema in einem ganz anderen Bereich begraben ist.