17.06.2022 -  Job, Arbeit, Berufung oder Leidenschaft

Wir starten letzte Woche unsere Ferien in Schottland mit Verspätung. Respektive, wir landen mit wenigen Minuten Delay von Amsterdam her kommend in Glasgow und warten eine geschlagene Stunde auf unser Gepäck. Und wir hegen in der Wartezeit plötzlich Zweifel, ob unser Gepäck während dem 8-stündigen Aufenthalt in Amsterdam auch wirklich zu unserem Anschlussflug gelangt ist. Es liegt in der Natur der Menschen, dass wenn er zu viel Zeit zum Nachdenken hat, er auf schräge Gedanken kommt. Ja, das Gepäck ist da und ja, die Autovermietung ist seit 10 Minuten geschlossen. Wir können also das Mietauto bei der Ankunft am Flughafen in Glasgow nicht wie geplant in Empfang nehmen. Zu spät, no discussion. Alles debattieren mit der Frau am Telefon nützt nichts. Wir entscheiden uns, ich dabei leicht aufgebracht, ein Taxi zu unserer Unterkunft in Helensburgh, rund 50km vom Flughafen entfernt, zu nehmen. Hier im B&B werden wir herzlichst von Kathryn empfangen und sie organisiert gleich ein weiteres Taxi am Folgetag zurück zur Autovermietung am Flughafen. Und Kathryn bringt uns dann auch gleich ins Dorf mit ihrem Auto, wo wir unsere erstes schottisches Abendessen zu uns nehmen. Der Fussmarsch zurück in die Unterkunft tut uns gut nach dem sehr langen Weg nach Schottland. Ja, Kathryn gibt auch am Morgen bei der Zubereitung des Frühstückes alles und das mit viel Herzblut. Sie ist eine geborene Gastgeberin mit chinesischen Wurzeln.
Szenenwechsel ein paar Tage später auf der Isle of Skye. Wir checken ein in einem schönen Hotel am Ende der Welt an wunderschöner Lage. Die junge, etwas aufgetakelte Dame an der Reception funktioniert wie eine Maschine, ihr Lächeln gleicht einer ausgesetzten Maske. Da ist nichts an Echtheit zu erkennen, wir nehmen nur gespielte Freundlichkeit wahr. Dennoch essen und schlafen wir sehr gut. Am nächsten Morgen kommen wir auf dem Weg zum Breakfast wieder an der Reception vorbei, die besetzt ist von einem Mann. Dieser blickt starr auf den PC vor ihm und ein "Good morning" raschelt nur knapp erkennbar über seine Lippen. Ich beobachte ihn und bei seinen Worten fällt leider kein Deut eines Blickes auf uns Gäste.

Zwei verschiedene Unterkünfte, drei verschiedene Menschentypen und wohl auch drei verschiedene Gründe, wieso diese Menschen ihren Job ausüben.
Kathryn ist voller Leidenschaft und gibt alles für ihre lieben Gäste. Sie ist sich nicht zu schade, die Extrameile zu gehen. Sie strahlt eine unglaubliche Wärme und Zufriedenheit aus bei dem, was sie tut. Andererseits die beiden Mitarbeiter auf Skye, die wohl einfach ihren Job erfüllen, um am Ende des Monats ihr Gehalt ausbezahlt zu bekommen. Das tägliche Abspulen einer Arbeit ohne Freude daran führt wohl dazu, dass Gäste wie eine Nummer behandelt werden.

Für mich stehen diese Beispiele sinnbildlich da und reflektieren die letzten Umfragewerte von Gallup. Über 65% der Angestellten erledigen ihren Job einfach nach Vorschrift, nur rund 15% ist mit dem Arbeitgeber total happy und sieht in der ausgeführten Arbeit auch einen Sinn.
In meinen Augen sind das erschreckende Werte und so frage ich mich immer wieder, was dazu die Gründe sein mögen. Jeder Mensch findet hier die eigene persönliche Antwort.
Ja, vor einem Jahr gehörte ich zu den restlichen 20%, die innerlich bereits gekündigt haben. Ich bin nun sehr froh, habe ich nicht länger innerlich gekündigt weitergearbeitet , sondern die Kündigung auch umgesetzt.

In welchen Bereich stellst du dich als Arbeitnehmer?

  • Zu fast oder ganz zu 100% mit dem Arbeitgeber vereint und du kannst dir nichts anderes vorstellen als deinen gegenwärtigen Job weiter auszuüben?
  • Na ja, ich gehe zur Arbeit dem allmonatlichen Zahltag wegen. Der Sinn und Zweck meiner Arbeit ist mir nicht so wichtig.
  • Ich weiss, dass mich meine aktuelle Tätigkeit nicht erfüllt. Doch es ist zu schwer, mich zu bewegen, um Neues zu entdecken. Innerlich habe ich schon lange gekündigt.

Sich mal ganz unverblümt und offen der eigenen Arbeitssituation zu stellen, kann ein wertvoller Augenöffner sein. Wir verbringen alle viel Zeit beim Arbeiten. Darum soll uns diese Zeit auch erfüllen und uns einen Sinn ergeben. Oder übst du den aktuellen Job wirklich nur deshalb aus, weil du Geld damit verdienen willst?