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14.10.2020 - Bauarbeiten

Kennt ihr das auch, dass die Nerven ab und zu blank liegen können?
Zürich Downtown an einem normalen Dienstagabend, mein Zug nach Fehraltdorf, mit Busanschluss noch Rumlikon, fährt pünktlich um 22:04h ab. Stets up to date mit dem SBB-App sehe ich, dass heute mit der S3 in Effretikon Endstation ist. Bauarbeiten an den Gleisanlagen zwingen alle Passagiere, in Effretikon auszusteigen und auf den Bahnersatzbus umzusteigen. Wie immer ist das vorbildlich organisiert und lässt in seiner Zuverlässigkeit andere Länder erblassen.

So steht er da, der Bus, man sucht sich einen freien Platz, findet ihn, freut sich, dass es nach einem langen Tag nun auf die letzte Etappe Richtung Wohnort geht. Wir sind alle sehr überrascht, als uns der Buschauffeur mitteilt, dass er erst in einer halben Stunde fährt. Da unsere S3 Verspätung hatte, konnte der reguläre Bus um 22:23h nicht mehr länger auf uns warten und fuhr bereits seinem Ziel Wetzikon entgegen.

Ab diesem Moment beginnt mir der unschuldige Chauffeur Leid zu tun. Da prasseln Worte auf ihn nieder, was sein Kollege für ein .... und .... sei, weil er die S3 nicht abgewartet habe. Die Stimmung im Bus lädt sich zu einem Gewitter auf, ich fühlte mich wie in einem falschen Film. Ich wende mich etwas ab, zücke das Handy und stelle fest, dass ich nun, ja, diese halbe Stunde im Bus warten müsste, dann in Fehraltorf nochmals eine halbe Stunde und so um 23:48h zu Hause sein würde.
Klar frohlocke ich nicht ob dieser Tatsache, aber ich kann die Situation nicht ändern. Anstelle mich dem Wortfeuerball der anderen Passagiere anzuschliessen, fälle ich den Entscheid, die restlichen 7km einfach unter die Füsse zu nehmen. Kaum hat sich die Frustration im Bus etwas gelegt, stehe ich auf, verkünde, dass ich nun einfach zu Fuss gehe und erkundige mich, ob vielleicht jemand da ist, der mich bis Illnau begleitet.
Die erblassten Gesichter in diesem Bus werde ich so schnell nicht vergessen. Natürlich finde ich keine Begleiter, dafür viel Schweigen und zumindest jemand, der mir dabei viel Spass wünscht.
Diesen Spass habe ich, weil etwas Unerwartetes passiert ist und ich für mich das beste daraus gemacht habe. So wird mir dieser Nachhauseweg noch lange in Erinnerung bleiben. Ich frage mich, ob dies bei den frustrierten Fahrgästen wohl auch der Fall sein wird?

Und ja, am Schluss bin ich 10 Minuten früher zu Hause, als wenn ich auf die Karte Weiterfahren mit dem Bus gesetzt hätte.